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Am 9. Oktober 1877 hat Feldmarschall Graf Moltke Idstein besucht. Dem "Idsteiner Anzeigeblatt" konnte man entnehmen: (Nr. 81 vom 10.10.) "Heute gegen Mittag ist der Feldmarschall Graf Moltke mit dem Generalstab auf einer Inspektionsreise dahier eingetroffen und hat Wohnung bei dem Fabrikbesitzer Herrn Landauer genommen. Jedenfalls werden die Vereine und die ganze Bürgerschaft dem berühmten Feldherrn auch hier ihre Verehrung darbringen, wenn auch in einfacher Weise, da unserer kleinen Stadt keine großen Mittel zu Gebot stehen." (Nr. 82 vom 13.10.) "Feldmarschall Graf Moltke hat unsere Stadt heute wieder verlassen. Am Dienstag Abend brachten ihm die verschiedenen Vereine ein Fackelständchen, wobei sich der verehrte Mann bei den Vorständen persönlich bedankte und seine Zufriedenheit über den Empfang in hiesiger Stadt aussprach. Wie wir hören, hat derselbe am gestrigen Tage von dem hiesigen Schlosse Einsicht genommen und auch die Lederfabrik des Herrn Landauer besucht". Max Kirmsse (auf dessen Zeitungsartikel von 1937 hier Bezug genommen wird) konnte noch Zeitzeugen befragen: Lehrer i. R. Müller, Werkmeister K. Bassing, Lehrer i. R. Guckes (Bad Ems), Fabrikbesitzer Landauer und den Landwirt H. Greuling. So kann der Tag der Ankunft ausführlicher geschildert werden: Von Oberseelbach jagt ein Reiter in Preußischer Uniform die Landstraße nach Idstein hinunter. Danach ein langer Zug deutscher Soldaten in Uniformen aller deutschen Waffengattungen. Zunächst einen Abteilung Dragoner, auch Trompeter sind dabei. Dann folgt einen hohe, ernste Persönlichkeit in schlichter Uniform, das graue Haupt bedeckt mit einer schlichten Feldmütze. Moltke ist mit anderen Offizieren auf Besichtigungstour im Westen Deutschlands. Sein Alter von 77 Jahren ist ihm kein Hindernis. Zur Seite, rechts und links, reiten zwei jüngere Offiziere, die dem älteren Reiter in der Mitte unverkennbar ähnlich sehen. Es waren die Neffen Moltkes. "Hoch Moltke! Hurra! Hurra! Moltke, der große Held ist da!", so wird der Sieger von Sedan und Paris und anderer Schlachten des Krieges von 1870/1871 begrüßt. Auf der Obergasse läuft der Veteran eben dieses Feldzugs, der Artillerist Karl Vetter, neben dem Reiterzug her. Der wegen Tapferkeit mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse Ausgezeichnete wird auf dem Marktplatz von Moltke wiedererkannt und mit Handschlag begrüßt. Moltke nimmt Quartier im "Gasthaus zum Riesen", das dem Fabrikanten Landauer († 1887) gehört. Beim Pfeiferauchen im Garten, der an den Tiergarten grenzte, kam Moltke auch durch die Gartenpforte in den Tiergarten. Er stieg den Weg zur nahen Linde hinauf, um auf der sie umgebenden Rundbank Platz zu nehmen. Diese Linde, im Garten der Oberförsterei Idstein stehend, heißt seitdem "Moltkelinde". |